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Volksfeststimmung, als die Bücher brannten
Von Reinhard Lask
Am 17. Mai 1933 herrschte "Volksfeststimmung" auf dem Uniplatz. Hunderte nationalsozialistisch gesonnener Studenten und andere Schaulustige hatten sich dort versammelt, um Bücher missliebiger Schriftsteller auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen. Seit Dienstag erinnert ein Gedenkstein an die dort vor 78 Jahre stattgefundene Bücherverbrennung Die Bürgerstiftung Heidelberg und ein anonymer Spender haben die Konstruktion der Granitplatte ermöglicht […].
Rund ein Jahr dauerte es, bis Initiator Professor Dietrich Harth die Platte in Zusammenarbeit mit Stiftung, Stadt und dem Eppelheimer Bildhauer Günter Braun gestern nun ins Pflaster zwischen Neuer und Alter Universität einlassen konnten. Bei der Enthüllung des Gedenksteins waren neben Bürgermeister Wolfgang Erichson und Professor Jochen Tröger als Vertreter der Universität auch 112 ehemalige jüdische Bewohner Heidelbergs dabei. Selbst der Kulturausschuss des Gemeinderats hatte seine Sitzung unterbrochen, um dabei zu sein. "Wir bedanken uns besonders bei ehemaligen Mitbürgern der Stadt, dass sie heute hier sind und uns die Chance geben ihnen zu beweisen, dass das jüdische Leben in Heidelberg wieder lebendig ist", sagte Erichson in seinem Grußwort. "Vor 78 Jahren hatten Rektorat und Professoren die Verbrennungen nicht verhindert. Der Stein ist daher ein Mahnmal für die Zukunft", sagte Jochen Tröger als Vertreter der Universität. Der Stein solle alle Studenten daran erinnern, dass Menschen, die Bücher verbrennen, auch in Zukunft keinen Platz an der Universität haben sollen.
Abschließend zeichnete Harth den folgenschweren Abend nach, an dem die Werke etlicher Autoren in Flammen aufgingen und in den Jahren danach rund ein Drittel aller Universitätsdozenten aus ideologischen Gründen entlassen wurden. "Das Heidelberger Tagblatt" beschrieb die Stimmung am Tag danach als "pfälzische Ausgelassenheit", berichtet Harth.
Gustav Adolf Scheel, der Anführer des Nationalsozialistischen Studentenbundes, hatte seinerzeit die Verbrennungen als Protest der Studentenschaft "gegen den undeutschen Geist" gerechtfertigt. 78 Jahre später fordern nun an gleicher Stelle Gotthold Ephraim Lessings Worte: "Was einmal gedruckt ist, gehört der ganzen Welt. Niemand hat das Recht, es zu vertilgen."