In diesem Jahr hatte die Bürgerstiftung zum Neujahrsempfang am 21. Februar in das Haus der Kultur (DAI Heidelberg) eingeladen, und viele waren der Einladung gefolgt. Der Stiftungsvorsitzende Dr. Steffen Sigmund eröffnete den Abend mit einem kurzen Bericht über die Entwicklung der Stiftung im Jahr 2010 und stellte die wichtigsten laufenden Projekte vor, über die man anhand der im Raum verteilten ‚Informationsinseln‘ genauere Auskunft einholen konnte. Verwiesen wurde auch auf den Newsletter, der seit Februar 2011 auf der Homepage der Stiftung zu finden ist.
Die Stiftung hat ihren Kapitalgrundstock im vergangenen Jahr noch nicht in dem erhofften Umfang steigern können, weshalb Steffen Sigmund die Anwesenden bat, die Suche nach Zustiftern noch intensiver als bisher zu unterstützen und voranzutreiben. Zu den Highlights der Stiftungsarbeit gehören die in Kooperation mit den Heidelberger Hauptschulen durchgeführten Projekte, in deren Mittelpunkt die Persönlichkeitsbildung (Impuls 5) sowie die Gesundheitsförderung (Ernährung & Bewegung) stehen. Es gehört dazu aber auch aus ganz anderen Gründen, versteht sich, die Aufstellung eines öffentlichen Bücherregals in der Alstadt (Neugasse), das nicht nur zur Bekanntheit der Stiftung beiträgt, sondern auch von vielen Leserinnen und Lesern als Ort lebendigen Austauschs begrüßt und sehr gut angenommen worden ist. Andere Projekte, wie das den Erinnerungszeichen in der Stadt gewidmete Vorhaben, auch die neuerdings in Zusammenarbeit mit dem DAI geplante Vortragsreihe zu den Leitthemen Integration & Bildung sowie die Einrichtung einer computergestützten Praktikumsbörse stehen kurz vor bzw. befinden sich in der Realisierungsphase. Und nach wie vor ist die Stiftung für die Einrichtung und die nachhaltige Bewirtschaftung eines Orts tätig, an dem Kinder und Eltern aus schwierigen Familienverhältnissen entspannt und zwanglos mit einander umgehen können.
Der Einladung zum Vortrag des Abends war freundlicherweise Frau Prof. Dr. Aleida Assmann von der Universität Konstanz gefolgt. Ihr Thema – „Das Gedächtnis der Stadt“ – berührte grundlegende Fragen der baulichen Rekonstruktion bzw. Umwertung von Stadtarchitekturen. Der Vortrag unterschied zwischen Raum als Planungsgegenstand und Ort als Geschichts- und Identifizierungszeichen. Es gibt Megastädte, in denen permanente Raumveränderungen die Entstehung von Orten, an denen Vergangenes erinnert wird, verhindern. Und es gibt Stadtbilder, in deren Bau(ge)schichten unterschiedliche Epochen, Lebensstile, kulturelle Austauschprozesse und somit die Zeichen zivilisatorischer Vielfalt wahrnehmbar eingraviert sind. Kriegerisch motivierter „Urbizid“ (Städtemord) folgt nicht bloßer Zerstörungswut, sondern sucht die Stein gewordenen Erinnerungen und Zeichen kultureller Koexistenz auszulöschen, um mit dem gewachsenen Stadtgedächtnis tabula rasa zu machen. Der Vortrag widmete sich vor diesem Zerstörungshintergrund anhand sehr unterschiedlicher Beispiele so gegensätzlichen Formen der Rekonstruktion im Städtebau wie Wiederaufbau, Zerstörung und Abriss, Sichtbarmachen der Wunden und Wiederherstellung. In vielen Fällen sind Wünsche nach Symbolisierung am Werk, in anderen offizielle Programme ideologisch untermauerter Erinnerungspolitik. Beinahe durchgehend aber sind heutzutage solche städtebaulichen Projekte dem öffentlichen Meinungsstreit ausgesetzt und geben Raum für heftige, äußerst emotional geführte Auseinandersetzungen.
Man darf daher Aleida Assmanns Hinweis auf die wissenschaftliche These, Altstädte seien weniger authentische Zeugen vergangenen Lebens als vielmehr Produkte modernen Städtebaus durchaus auch auf das so leidenschaftlich als ‚romantische‘ Erinnerung verteidigte Alt-Heidelberg beziehen.
D.H./23.2.2011
Samstag, den 27. November 2010 weihte die Bürgerstiftung das erste öffentliche Bücherregal in der Altstadt ein. Standort der "Reader's Corner" ist die Neugasse, nahe Hauptstraße. Dem in der Zeitung veröffentlichten Aufruf, sich mit einem Buch an der Eröffnung zu beteiligen, war eine kleine Schar von Bücherfreunden gefolgt, so dass das Regal nach und nach ein buntes Aussehen erhielt. Der Stiftungsvorsitzende, Dr. Steffen Sigmund, berichtete über den mühseligen Ämterparcours, den es zu bewältigen galt, bis das Regal endlich seinen Platz finden konnte. Vorstandsmitglied Prof. Dr. Dietrich Harth und Sigmunds Töchterchen lasen aus mitgebrachten Büchern vor, die Stiftung verteilte eigens für dieses Ereignis entworfene Lesezeichen. Ausführlicher Bericht in der RNZ vom 29. November 2010 (siehe Pressespiegel).
Die Bürgerstiftung bittet um Spenden, um die Aufstellung weiterer Regale in der Stadt finanzieren zu können (Spendenkonten: Kto. Nr. 191, BLZ 67250020, Sparkasse Heidelberg. - Kto. Nr. 4545, BLZ 67290100, H+G Bank Heidelberg).
Zu Beginn stellten die Vorsitzenden des Vorstands und des Rats die im Berichtszeitraum (28. Mai 2009 bis 31. Oktober 2010) getane Arbeit vor und gaben die Verleihung des Gütesiegels des Bundesverbands Deutscher Stiftungen an die Bürgerstiftung Heidelberg bekannt. In dem relativ gut überschaubaren Zeitraum seit der Gründung war die Stiftung vor allem mit der Einrichtung einer funktionsfähigen, auf ehrenamtlicher Handlungsgrundlage aufbauenden Organisationsform beschäftigt. Doch vergaß sie darüber keineswegs die Aufgaben der Projektentwicklung und der Einwerbung finanzieller Stiftungs- und Fördermittel, auch wenn im zuletzt genannten Fall die Anstrengungen zu verdoppeln sind. Denn das derzeitige Stiftungskapital entspricht laut Finanzbericht per 30.9.2010 einer bescheidenen Summe von 138.513 €; während 15.719 € auf verschiedenen Konten für laufende Ausgaben und kleinere Förderprojekte zur Verfügung stehen.
Im Anschluss an den einleitenden Überblick gaben Mitglieder des Vorstands, des Rats und einer der Gründungsstifter, unterstützt durch eine Powerpoint-Präsentation, Auskunft über den Stand laufender und bereits initiierter, aber noch offener Projekte. Berichtet wurde über folgende Initiativen bzw. Vorhaben:
Weitere Einzelheiten und Bildmaterial zu einzelnen Projekten können im Jahresbericht 2009 – 2010 nachgeschlagen werden.
Leider nahm nur ein kleiner Teil der Gründerstifterinnen und Gründerstifter am Stifterforum teil. Doch kam nach dem Überblick eine intensive, ausführliche und kritische Diskussion auf, die um die Themen Kommunikation (Transparenz) und Teilhabe (Partizipation) kreiste. Zu verbessern sei die Kommunikation zwischen den Stiftungsgremien und den Gründungsstiftern. Diese sollten nicht nur regelmäßig und aktuell – etwa durch einen Newsletter – über die Aktivitäten und Pläne der Stiftung informiert sondern auch stärker in die Entscheidungsprozesse über Strategien und Ziele der Projektentwicklung eingebunden werden. Die bestehenden Arbeitsgruppen (Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und Ideenbewertung) sind dafür sehr geeignet, sollten sich aber noch stärker öffnen und ihre Ergebnisse auf allen Ebenen der Stiftung zur Diskussion stellen. Zu verbessern ist ferner die Erreichbarkeit der Stiftungsorgane über einzelne ihrer Mitglieder, die als spezielle Ansprechpartner zu benennen sind. Nicht zuletzt sollten auch die Ankündigung und die Einhaltung der öffentlichen Bürozeiten besser organisiert und vor allem sichergestellt werden.
Das derzeitige Profil der Stiftung, das die Leitbegriffe Bildung und Integration in aller Kürze zu umschreiben suchen, traf in der allgemeinen Aussprache zwar auf allgemeine Anerkennung, sollte aber – so lautete eine der Forderungen – präziser an dem in der Stadt vorhandenen Bedarf ausgerichtet werden. Konkret heißt das, den mit Bildung und Integration befassten lokalen Einrichtungen, die mangels Masse ihren Aufgaben kaum oder nur mühsam gerecht werden können, fördernd unter die Arme zu greifen. Hier kann die Bürgerstiftung die ihr angestammte Aufgabe wahrnehmen und sich als Mittler zwischen fördernswerten externen Projekten und potentiellen Sponsoren engagieren. Eben diese Aufgabe bietet auch eine gute Möglichkeit, interessierte Gründungsstifter in die Bewertung der externen Projekte und die anschließende Entscheidungsfindung einzubeziehen.
Die Gremien der Bürgerstiftung danken den Mitgliedern des Stifterforums für Kritik und Anregungen. Stiftungsvorstand und -rat werden sich damit in den nächsten Wochen des näheren beschäftigen, zur Lösung der angesprochenen Probleme das Gespräch mit einzelnen Gründungsstiftern suchen und entsprechende Strategien und Handlungskonzepte entwickeln.
D.H./10.11.2010
Am Samstag, den 27. November, wird die Bürgerstiftung Heidelberg um 11 Uhr das erste öffentliche Bücherregal Heidelbergs in der Neugasse (Altstadt) eröffnen und einweihen. Alle kleinen und großen Heidelberger sind herzlich zur Eröffnung eingeladen. Wir bitten alle, ein gutes Buch mitzubringen und es eigenhändig in das Regal einzufügen, damit eine anregende und bunte Sammlung von Büchern zustande kommt.
Die Stiftung hofft, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger für die Idee begeistern, durch den Austausch von Büchern vielfältige Anregungen zu bekommen oder neue Erfahrungen machen zu können. Wird ein Buch entführt, dann kann es natürlich bei seinem neuen Besitzer verbleiben, es kann wieder zurückkehren oder aber ein anderes seinen Weg in das Regal finden. Das Regal will aber nicht nur Lektürestoff spenden, sondern lädt auch zum Verweilen und zu Gesprächen ein – es soll auch ein Ort der Begegnung werden.
Zur Eröffnung am Samstag sprechen ein Vertreter der Stadt, der Stiftungsvorstand und es werden nebenbei kleine Geschenke verteilt. Natürlich wird auch aus Büchern vorgelesen.
Der Freiwilligentag „wir-schaffen-was“ wurde von der Bürgerstiftung mit dem Aufbau einer Hütte für Fahrradreparaturen unterstützt.
Unter den Projekten der Bürgerstiftung Heidelberg ist eines dem kulturellen Gedächtnis der Stadt gewidmet. Bisher gehören zu diesem Projekt zwei sehr konkrete Formen des Erinnerns, die Ereignisse aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 im öffentlichen Raum vergegenwärtigen wollen: die Verlegung sog. Stolpersteine im ganzen Stadtgebiet und die Installation einer Gedenktafel zur Erinnerung an die Bücherverbrennung des Jahres 1933. Beides ist, wie die folgenden Kurzberichte zeigen, auf einem guten Weg.
In über 500 Städten der Republik und in mehreren europäischen Ländern hat der Bildhauer Gunter Demnig im Laufe der vergangenen Jahre zur Erinnerung an die von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Personen (Sinti und Roma, Juden, Behinderte, Oppositionelle, Homosexuelle u.a.) sog. Stolpersteine verlegt. Diese mit eingravierten Namen und Daten gezeichneten Steine aus Messing werden dort in den Boden eingelassen, wo ein Mensch wohnte, dem die Nazis Gewalt antaten.
In Heidelberg setzt sich seit längerem eine informelle Initiativgruppe für die Anbringung solcher Gedenksteine ein und geht den Spuren der Verschwundenen nach, um sie der Vergessenheit zu entreißen. Dieses Engagement unterstützt die Bürgerstiftung: Sie übernimmt und wirbt für Patenschaften und wird sich bemühen, neben der Öffentlichkeit auch Schulklassen an der Spurensuche zu beteiligen. Der Weg ist jetzt frei für dieses Kapitel lebendiger Erinnerungskultur. Denn am 15. April 2010 hat sich der Heidelberger Gemeinderat mit großer Mehrheit (1 Enthaltung) für die Verlegung von Stolpersteinen in der Stadt ausgesprochen.
| Stolpersteine in Hamburg (Foto D. Harth) |
Die Patenschaft für eines dieser Erinnerungszeichen ist mit einem Aufwand von 95 € verbunden. Wer Interesse hat, kann weitere Informationen bei der Initiative Heidelberger Stolpersteine (http://www.stolpersteine-heidelberg.de) oder bei der Bürgerstiftung Heidelberg einholen (Kontakt).
Die von den Studenten der NS-Organisationen angefachten, von angepassten Hochschullehrern willkommen geheißenen Bücherverbrennungen des Jahres 1933 haben überall im damaligen Reich auf Jahre hinaus die Vernunft verdunkelt. In vielen Städten erinnern heute öffentlich sichtbare Gedenkzeichen an diese gegen Demokratie und geistige Freiheit gerichteten Brandstiftungen.
In Heidelberg hat sich die Bürgerstiftung zum Ziel gesetzt, ein Zeichen dauerhafter Erinnerung an dieses Ereignis dort anbringen zu lassen, wo der Scheiterhaufen im Mai 1933 errichtet wurde: am Platz vor der Neuen Universität. In einem für die Gedenktafel ausgewählten Text des Aufklärers Lessing, der mit einer Tochter Heidelbergs verheiratet war, heißt es: »Was einmal gedruckt ist, gehört der ganzen Welt auf ewige Zeiten. Niemand hat das Recht, es zu vertilgen.« Im Sinne dieses Mottos hat die Bürgerstiftung an die Universität appelliert und ist auf offene Ohren gestoßen.
| Bücherverbrennung im Mai 1933 auf dem Opernplatz Berlin |
Der Rektoratsbeauftragte für die 625-Jahrfeier der Universität, Prof. Dr. Jochen Tröger, stimmte bei einem Treffen am 21. April 2010 erfreut dem Vorschlag der Bürgerstiftung zu. Er wird zusammen mit Prof. Dr. Dietrich Harth, Ratsmitglied der Bürgerstiftung, den Entwurf, die Gestalt und die Finanzierung des Erinnerungszeichens beraten, damit dieses im Jubiläumsjahr 2011 der Öffentlichkeit übergeben werden kann. Die Rhein Neckar Zeitung hat am 17. Mai 2010 berichtet (Anzeigen)
Die Bürgerstiftung Heidelberg lud zu ihrem ersten Neujahrsempfang am 26. Februar 2010 in den Kammermusiksaal der Stadthalle ein und viele folgten dieser Einladung.
Nach dem Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner gab der Stiftungsvorsitzende Dr. Steffen Sigmund einen Überblick
über Fortschritte in der Stiftungskonsolidierung und in der Projektentwicklung. Prof. Götz Werners daran anschließender Vortrag galt der großen Bedeutung des Stiftens bzw., wie er es nannte, des „Schenkgeldes“ für die auf wechselseitiger Anerkennung beruhende Gestaltung sozialer Beziehungen und provozierte eine lebhafte Diskussion.
Dr. Steffen Sigmund, Dr. Susanne Dierkes, Ulrich Gebhard, Prof. Götz Werner, Gerhard Kammerer (von links nach rechts)